AVAS: Ein akustisches System für mehr Verkehrssicherheit

11.11.2020

Die ersten Elektroautos konnten sich mit einem „Silent Mode“ noch anschleichen und völlig geräuschlos durch die Gegend fahren. Das hatte den Vorteil, keinen zusätzlichen Verkehrslärm zu verursachen. Dies geht aber auf Kosten der Sicherheit, nicht nur bei in der Sicht beeinträchtigten Verkehrsteilnehmern: Fahrgeräusche können Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern verringern. Deshalb ist seit 2019 bei allen neu zertifizierten Elektroautos das AVAS Vorschrift – das Acoustic Vehicle Alerting System.

Dabei handelt es sich um ein künstliches Fahrgeräusch, das erzeugt wird bei Geschwindigkeiten zwischen 0 und 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren. Bei über 20 km/h treten die Geräusche der Autoreifen in den Vordergrund und die künstlichen Töne sind nicht mehr nötig. Bei den ersten Elektroautos mit AVAS gab es zunächst noch eine Pausefunktion, diese wurde inzwischen jedoch für unzulässig erklärt. Beim Start des Fahrzeugs muss das System automatisch aktiviert sein.

Das AVAS soll Elektroautos nicht zwingend wie Benziner- oder Dieselfahrzeuge klingen lassen, aber die Geräusche sollen durchaus als Fahrzeuggeräusch erkennbar sein. Von Hersteller zu Hersteller unterscheiden sich die Klänge aber: Jeder Autobauer hat eigene Klangdesigner, die sich mit dem Sound der Fahrzeuge der Zukunft beschäftigen. Wie bei den Verbrenner-Motoren sind daher auch die E-Autos akustisch voneinander zu unterscheiden.



Bei der Entwicklung von AVAS wurde ebenfalls darauf geachtet, dass man an den Fahrgeräuschen erkennen kann, ob das Elektroauto gerade bremst, beschleunigt oder mit einer gleichbleibenden Geschwindigkeit unterwegs ist. Zudem gibt es die Vorschrift, dass die Frequenzen des Geräuschs so eingestellt sein muss, damit auch Menschen mit einem schlechteren Gehör die Fahrgeräusche wahrnehmen können.

Ein großer Vorteil der künstlich erzeugten Geräusche ist es, dass sie zur Barrierefreiheit im Straßenverkehr beitragen. Die künstlichen Töne bieten vor allem blinden und sehbehinderten Menschen eine größere Sicherheit. Deshalb gibt es für das AVAS eine staatliche Förderung. Mit dem Umweltbonus fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereits den Kauf von Elektroautos. Für das AVAS wurde zunächst ebenfalls ein eigener Förderbaustein eingeführt. Die Förderung von 100 Euro gibt es jedoch nur dann, wenn das AVAS im Kaufvertrag oder der Rechnung des Fahrzeugs aufgeführt wird und wenn das Fahrzeug vor dem 1. Juli 2019 typisiert wurde. Elektroautos, die vor diesem Datum typisiert wurden, erhalten die Förderung von 100 Euro noch bis zum 31. Juni 2021.