Firmenwagen privat nutzen: Fahrtenbuch oder 1-Prozent-Regel?

05.01.2021

In erster Linie sind Dienst- oder Firmenwagen natürlich für dienstliche Zwecke gedacht, in den meisten Fällen dürfen sie aber auch privat genutzt werden. Eine unentgeltliche Überlassung des Dienstautos für die private Nutzung wird durch das Finanzamt als Sachzuwendung angesehen. Wer also häufig privat mit dem Dienstwagen unterwegs ist, muss Steuern zahlen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man die eigene Nutzung des Dienstwagens versteuern kann. Zum einen die sogenannte Ein-Prozent-Regel, zum anderen ganz klassisch über das Führen eines Fahrtenbuchs. Wer sich für eine Möglichkeit entschieden hat, muss auch bei dieser Variante bleiben und kann nicht mitten im Jahr noch einmal umschwenken.


Fahrtenbuch

Wer sich für die Möglichkeit des Fahrtenbuchs entscheidet, muss jede Privatfahrt einzeln dokumentieren. Das Datum, der Kilometerstand vor und nach der Fahrt, das Reiseziel, die Route und Geschäftspartner müssen angegeben werden. Bei jeder Fahrt muss zudem festgehalten werden, ob diese privat oder betrieblich ist. Der Aufwand für jede Fahrt ist zwar hoch, dafür kann exakt bestimmt werden um welche Nutzungsart es sich handelt. Der private Fahrtenanteil wird mit den jährlichen Kosten für den Dienstwagen multipliziert, was den geldwerten Vorteil ergibt. Die jährlichen Fahrzeugkosten werden anhand der laufenden Kosten und dem jährlichen Abschreibungsbetrag berechnet. Wichtig ist, dass Fahrtenbuch ordentlich zu führen. Fahrten sollten zeitnah aufgeschrieben werden, lesbar sein und das Buch sollte eine geschlossene Form haben.


Ein-Prozent-Regelung, 0,5% und 0,25 Prozent

Die Ein-Prozent-Regelung ist weniger aufwändig. Für jeden Monat wird ein Prozent des Dienstwagen-Listenpreis versteuert. Bei einem Listenpreis von 30.000 Euro wäre dies ein geldwerter Vorteil von 300 Euro im Monat. Für den Nutzer des Dienstwagens bedeutet das, dass für diesen Vorteil von 300 Euro die gleichen Steuern gezahlt werden wie bei dem eigenen Gehalt. Was den Listenpreis betrifft, so wird mit dem Preis zum Zeitpunkt der Erstzulassung gerechnet. Zum Listenpreis zählen zudem die Kosten für Sonderausstattung hinzu, sowie die Umsatzsteuer: sogar dann, wenn diese beim Kauf oder Leasing gar nicht angefallen ist.

Wer selbständig tätig ist und ein Firmenauto privat und betrieblich nutzt, muss für die private Nutzung nicht nur Einkommenssteuer, sondern auch Umsatzsteuer zahlen. Dies ist bei beiden Methoden, bei der Ein-Prozent-Regelung, sowie bei dem Führen eines Fahrtenbuches, der Fall.

Wer einen Wagen mit Hybrid-Motor oder ein Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb als Firmenwagen nutzt, spart sogar noch mehr: Statt einem Prozenz muss ein Fahrer eines Hybrid-Autos nur 0,5 Prozent des Listenpreises versteuern. Fährt das Fahrzeug komplett elektrisch, fallen sogar nur 0,25 Prozent an Steuern an, wenn das Fahrzeug auch privat genutzt werden soll.


Arbeitsweg

Mit der Ein-Prozent-Regelung werden alle privaten Fahrten abgedeckt. Wer allerdings den Dienstwagen nutzt, um von seinem Zuhause zu seinem Arbeitsort zu fahren zahlt noch einmal etwas mehr. Es fallen zusätzlich pro Kilometer des Arbeitsweges monatlich 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises an. Wenn der Dienstwagen wirklich nur für den Weg zur Arbeit genutzt wird, entfällt die pauschale Ein-Prozent-Regelung und nur die 0,03 Regelung ist relevant.


Vorteile bei einem Elektro-Firmenwagen

Da die Elektromobilität besonders gefördert wird, hat dies auch einen positiven Effekt für die private Nutzung von Elektro-Firmenwagen und Plug-in-Hybriden. Dank der Förderung erhalten Elektroautos, die zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2030 gekauft oder geleast werden, steuerliche Vorteile. Für die Versteuerung des Firmenwagens bedeutet das, dass nur noch die Hälfte des Bruttolistenpreises versteuert werden muss. Somit wird aus der Ein-Prozent-Regel die 0,5-Prozent-Regel.

Wer die private Nutzung per Fahrtenbuch dokumentiert, benötigt für die Berechnung des geldwerten Vorteils ebenfalls nur die Hälfte der jährlichen Kosten.

Zusätzliche Voraussetzungen gelten für Hybridautos. Hier darf entweder der Kohlendioxidausstoß höchstens 50 Gramm pro gefahrenen Kilometer betragen. Alternativ muss das Hybridauto eine festgelegte Mindestreichweite alleine per Elektroantrieb erreichen können. Nur dann gelten auch für einen Hybrid-Firmenwagen die steuerlichen Vorteile des halben Listenpreises.